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Fotoautomaten: Andy Warhol Portraits
Andy Warhols erste belegte Beschäftigung mit Selbstportraits kann - abgesehen
von einigen frühen Zeichnungen aus den vierziger und fünfziger Jahren
- auf Ende 1963/Anfang 1964 datiert werden. Diese Bildnisse der frühen sechziger
Jahre sind kein Versuch der Selbstanalyse oder Selbstdarstellung. Sie wurden
nicht vor dem Spiegel oder nach Zeichnungen vor dem Spiegel gemalt. Es gab nicht
einmal eine fotografische Vorlage mit bewusst gewählter Kameraeinstellung,
Beleuchtung und Kulisse für sie. Die Bilder basieren vielmehr auf Schnappschüssen
aus dem Fotoautomaten,
Warhol entdeckte den Fotoautomaten als Portraitwerkstatt für sich. Die Idee,
Rohmaterial für Portraits aus dem Automaten zu holen, war von Warhol wohl überlegt.
Er wollte die Arbeit der Maschine überlassen, da sie zu standardisierten
Ergebnissen führte und sicherstellte, dass Kopf und Schultern den richtigen
Abstand von der Kamera hatten und mehr oder weniger zentriert waren. Diese Bildvorlagen
waren gewissermaßen gefundene Objekte, Gebrauchsgegenstände oder Produkte
von Massenmedien - Readymades.
Buch: Andy Warhol, Photobooth Pictures , Robert Miller Gallery, 1989 |
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"Schrei" von Edvard Munch
Die Zeit um Munch war geprägt durch die
Fülle von Erfindungen im technisch-industriellen
Bereich. Auch durch einschneidende Erkenntnisse in
den Geistes- und Naturwissenschaften kam es zu einem
veränderten Bild des Menschen.
In Munchs "Der Schrei" wird ein "zerrissenes Lebensgefühl" besonders
deutlich. Das Malen erleichterte ihm die Bewältigung seiner Ängste. Aspekte
seiner Bilder waren die unerfüllbare Liebe, der Tod, die Melancholie,
die Kämpfe der Geschlechter, der Schmerz, die Lebensangst
und die Einsamkeit.
"Der Schrei" ist ein eindrücklichste Beispiel für Munchs "Seelenmalerei".
In seinem Tagebuch (Eintrag vom 22.1.1892) ist dem ersten Gedicht "Schrei" zu
entnehmen, und dass der ursprüngliche Titel "Verzweiflung" lauten sollte.
Munch malte im Zeitraum von 1892 bis 1895 vier Fassungen von Bildern
mit dem Titel Der Schrei.
Entstellte Portraits in der Malerei: Francis Bacon
Bacons Portraits entstehen nicht im direkten
Kontakt mit Modell. Vielmehr arbeitet der Künstler
mit photografischen Vorlagen, nicht zuletzt aus Zeitungen,
sowie von Erinnerungsbildern. Seine Kunst beschäftigt
sich hauptsächlich mit der menschlichen Existenz,
deren Abgründe und der Verletzlichkeit des Menschen.
Zusammengefasst im Portrait.
"Mit seinen verzerrten Leibern und Gesichtern, den
eigenwilligen Farben und Farbschlieren setzte sich
Bacon vom gängigen Kanon der Portraitmalerei ab.
Seine Werke wirkten sperrig, nie gefällig. [.]
In seinen besten Portraits sind die Dargestellten nicht
nur verformt, sondern wirken gequält, zerrissen, vereinsamt, scheinen sich in auswegslosen Situationen
oder Stimmungen zu befinden und sind manchmal wie Papst Innozenz X in Käfigen
abgebildet. In vielen Bildnissen scheint der Tod allgegenwärtig zu sein.
Dabei reduzierte Bacon Formen und Farben. Das Resultat sind Werke von unglaublicher
Sinnlichkeit, Leidenschaft, Kraft, Brutalität, Intensität und Präsenz."
(Quelle: Hamburger Kunsthalle, http://www.hamburger-kunsthalle.de >Ausstellungen > Bacon )
Portraitkunst von Gottfried
Helnwein
Seine Kunst arbeitet meistens
mit dem Element des Schocks. Er zeigte offen den Zynismus
einer Gesellschaft, die nicht mehr die Dinge
so sieht, wie sie sind, sondern dessen Sichtweise
durch bereits bekannte 'Bilder über Dinge'
geprägt ist. "Die Funktion des Künstlers besteht darin, die Erfahrung eines überraschten
Erkennens wachzurufen: dem Betrachter zeigen, was er weiß, von dem er aber
nicht weiß, dass er es weiß.- Helnwein ist ein Meister dieses überraschten
Erkennens."
(William S. Burroughs über Helnwein, Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Helnwein )
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Arbeiten zum Thema des Holocaust: Christian Boltanski
Der französische Künstler beschäftigte
sich in seiner Arbeit schon mehrmals mit dem Thema
der Judenverfolgung und dem Holocaust. Unter anderem
auch im öffentlichen Raum; Les Regards. Skulptur
für Bremen. (http://www.boltanski-bremen.de).
Christian Boltanski zeigt seit Jahren eindrücklich, wie Kunst sich dieser
schrecklichen Geschehnisse der Geschichte annimmt, sich mit ihr auseinandersetzt
und sie uns immer wieder neu in Erinnerung ruft. Diese Leistung empfinde ich
als besonders wichtig.
Arbeiten zum Thema Immigration: Santiago Sierra
Seine Projekte befassen sich oft mit dem Thema der
Immigration. Er vermag Themen wie Rassismus provokativ in Szene zu setzen.
An der 49. Biennale von Venedig 2001, bezahlte Sierra 200 nicht-europäische Männer
(Verkäufer gefälschter Markentaschen, Tätowierer
oder andere Händler in der Nähe des Markusplatzes)
dafür, dass sie sich die Haare blond färben
liessen.
Jüngst hat Santiago Sierra im Rahmen des Projektes 245 Kubikmeter Abgase
von Autos in eine Synagoge in Köln leiten lassen und machte sie auf diese
Weise zu einer Gaskammer. Besucher konnten den Bereich mit einer Atemschutzmaske
und in Begleitung eines Feuerwehrmanns einzeln begehen.
Die Ausstellung wurde mittlerweile auf Druck des Zentralrats
der Juden von der Stadt Köln geschlossen.
Santiago Sierras Arbeiten sind nicht nur äusserst provokativ, sondern
immer auch sehr direkt. Diese Direktheit stösst oft auf Unverständnis
oder gar Empörung. Trotzdem oder gerade darum treffen seine Intensionen
damit ins Schwarze. Dabei finde ich es interessant, wie das Unverständnis
für den Künstler und seiner Umsetzung dazu führt, dass sich
diese Leute mit der von Sierra aufgegriffenen Thematik öffentlich beschäftigen.
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